Wenn man, so wie meine Frau und ich, in einem Knick wohnt, ist es wichtig, sich mit den Pflanzen auszukennen. Wo finde ich die leckersten Nüsse, wo baue ich am besten mein Nest, welche Früchte sind giftig? Davon möchte ich erzählen:
Efeu
Kennt ihr Efeu? Vielleicht habt ihr schon einmal gesehen, wie sich diese Pflanze um alte Eichen und andere Bäume windet. 20 bis 30 Meter hoch kann der Efeu mit Hilfe seiner feinen Haftwurzeln klettern. Efeublätter können ganz unterschiedlich aussehen: Die jungen Blätter haben drei bis fünf dreieckige Blattlappen, die Blätter an Blühsprossen sind dagegen nicht gelappt, sondern sehen eiförmig aus.
Ich liebe es, an Efeuranken durch den Knick zu klettern! Wie Tarzan im Dschungel fühle ich mich, wenn ich mich elegant von Ranke zu Ranke schwinge. Für uns Haselmäuse sind vor allem die immergrünen lederartigen Efeublätter eine tolle Erfindung, denn sie bieten uns ein prima Versteck – besonders im Winter, wenn die anderen Bäume und Sträucher ihre Blätter abgeworfen haben. Daher bauen wir unsere Kugelnester sehr gerne in Efeupflanzen.
Wenn es im September und Oktober im Knick summt und brummt, dann ist vermutlich ein Efeu in der Nähe. Der blüht nämlich nicht im Frühling, sondern im Herbst! Die kleinen, gelblich-grünen Blüten sind ziemlich unscheinbar, bilden aber viel Nektar. Für Honigbienen, verschiedene Wildbienen- und Hummelarten, Wespen und Schwebfliegen ist der Efeu daher eine wichtige Nahrungsquelle in einer Zeit, wo nicht mehr viel blüht. Ich selbst finde die Blüten nicht so lecker, aber das Summen der Insekten macht mich glücklich.
Die dunklen Früchte werden nicht im Herbst, sondern zwischen Januar und April reif. Drosseln, Stare, der Gartenrotschwanz, die Mönchsgrasmücke und das Rotkehlchen schlagen sich dann die Bäuche voll und schietern die Kerne wieder aus. So sorgen sie dafür, dass sich der Efeu verbreitet. Ich selbst vertrage die Früchte leider nicht. Auch für Menschen sind sie – wie überhaupt die ganze Pflanze – unverträglich. Also lieber Finger weg!

