Pfaffenhütchen

©Robert Flogaus-Faust

Wenn man, so wie meine Frau und ich, in einem Knick wohnt, ist es wichtig, sich mit den Pflanzen auszukennen. Was kann ich fressen, wo baue ich am besten mein Nest, welche Früchte sind giftig? Davon möchte ich erzählen:

Pfaffenhütchen

Viele Pflanzen haben lustige Namen, ich denke da zum Beispiel an Löwenzahn, bei dem das Blatt aussieht wie große Zähne. Bei uns im Knick gibt es einen Strauch, der heißt „Pfaffenhütchen“. Seine Früchte sehen aus wie eine eckige, rosarote Mütze. Früher trugen die christlichen Priester, die man auch „Pfaffen“ nannte, eine Kopfbedeckung, die fast genauso aussah. Deshalb haben die Menschen den Strauch einfach „Pfaffenhütchen“ genannt.

Wenn die pinkfarbenen Früchte im Herbst aufplatzen, kommen darin leuchtend orangefarbene Samen zum Vorschein. Eine schrille Farbkombination! Ich finde, das sieht wunderschön aus, aber Vorsicht: Die gesamte Pflanze, besonders aber die bunten Früchte, sind stark giftig. Ich würde dolle Bauchschmerzen bekommen oder sogar sterben, wenn ich von den Früchten nasche. Auch Menschen sollten die Früchte nicht essen. Bei Vögeln ist das anders, ihnen macht das Gift überhaupt nichts aus. Weil Rotkehlchen und andere Vögel die giftigen Samen im Winter so gerne fressen, heißen die Früchte auch „Rotkehlchenbrot“. Ich suche mir lieber Brombeeren, Eicheln und – HASELNÜSSE!

Das Pfaffenhütchen wird an manchen Orten übrigens auch „Spindelstrauch“ genannt. Das liegt an seinem harten und glatten Holz. Weil es sich nicht so leicht abnutzt oder splittert, haben Handwerker früher viele nützliche Dinge daraus geschnitzt und gedrechselt, unter anderem Spindeln zum Spinnen von Wolle. Daher also der Name. Schuster schnitzten kleine Nägel aus dem Holz, um damit das Leder an den Schuhsohlen zu befestigen. Und sogar kleine Pfeifen für Kirchenorgeln wurden aus dem Holz gebaut. Wo wir denn wieder bei den Pfaffen mit den lustigen Hüten angekommen sind. Meint ihr, mir würde so eine Mütze stehen?

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