Wildapfel

©Sten

Wenn man, so wie meine Frau und ich, in einem Knick wohnt, ist es wichtig, sich mit den Pflanzen auszukennen. Was kann ich fressen, wo baue ich am besten mein Nest, welche Früchte sind giftig? Davon möchte ich erzählen:

Wildapfel

Neulich erzählte mir meine Nachbarin, die Amsel, eine lustige Geschichte: Eine Familie wanderte an unserem Knick entlang und entdeckte runde gelbliche Äpfel an einem großen Strauch. Die Eltern kletterten mit den Kindern den Knickwall hoch und pflückten ein paar Früchte und steckten sie in ihre Taschen. Meiner Nachbarin gefiel das gar nicht und sie versuchte, die Apfelklauer mit lautem Gezeter zu verscheuchen – leider ohne Erfolg. Das ging so lange, bis der Vater herzhaft in eine der Früchte biss. Er spuckte angewidert alles wieder aus und schimpfte: „Ihgitt, was sind das denn für bittere Äpfel?“. Seine Frau und die Kinder kosteten nun auch vorsichtig das Obst aus dem Knick und verzogen wie der Vater ihre Münder. „Lecker ist was anderes“, waren sich nun alle Familienmitglieder einig. Sie warfen die gepflückten Äpfel einfach auf den Knickwall und wanderten schnell weiter.

Tja, liebe Menschen, bei uns im Knick wachsen eben keine Holsteiner Cox, Elstars, Pink Ladys oder wie die Äpfel im Supermarkt so heißen. Bei uns gibt es „Wildäpfel“, auch „Holzäpfel“ genannt. Ihre Früchte sind viel kleiner als die gezüchteten Sorten und schmecken herrlich sauer und bitter. Das liegt an ihrem hohen Gerbstoffgehalt, hat mir mein Opa mal erklärt. Uns Tieren macht das nichts aus, wir mögen das sogar! „Na, die klauen uns jedenfalls nicht mehr unser Futter!“, freute sich meine Nachbarin, die Amsel, über die vergraulte Familie und auch ich war froh, dass ich keine Angst vor Mundraub haben musste. Schließlich kommt bald der Winter und ich muss mir noch eine ordentliche Speckschicht anfuttern.

Mögt ihr Äpfel? Habt ihr eine Lieblingssorte? Ich empfehle euch Äpfel, die hier in der Region wachsen, dann müssen sie nicht so weit transportiert werden. Wenn ihr dann noch auf Obst aus ökologischem Anbau achtet, wo keine schädlichen Spritzmittel verwendet werden oder sogar selbst einen Apfelbaum pflanzt, bekommt ihr von mir einen Hütti-Öko-Orden!

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