Im Rahmen unseres KNICKWERT-Projektes erzählt die Haselmaus Hütti, unser Naturpark-Maskottchen, etwas über seine Entdeckungen im Knick. Heute berichtet er über eine Begegnung mit der Dorngrasmücke, die demnächst nach Afrika aufbricht:
Gestern Abend, als ich gerade ein paar leckere Brombeeren futterte, wurde ich von einem Vogel aufgeschreckt. „He Sie da, schnell da, weg da!“ pampte der mich an und ich duckte mich rasch unter ein Brombeerblatt. Das hörte sich sehr unfreundlich an – so einen rauen Umgangston bin ich gar nicht gewohnt hier in meinem Knick. Vorsichtig lugte ich aus meinem Versteck nach oben und entdeckte einen graubraunen Vogel mit weißer Kehle. Aufgeregt hüpfte er auf einem dünnen Zweig hin und her und rief schon wieder mit seiner kratzigen Stimme „He Sie da, schnell da, weg da!“ Jetzt erkannte ich meinen Nachbarn, die Dorngrasmücke. Ich kletterte rasch zu ihm hoch und fragte ihn, warum er so unfreundlich zwitscherte. „Ich kenne doch nur dieses eine Lied“, antwortete er entschuldigend. „Irgendwie muss ich doch zeigen, wo mein Revier ist. Meine Frau findet meinen Gesang übrigens richtig toll. Aber bald hast Du Ruhe vor mir, denn ich ziehe demnächst weg.“ Wo er denn hinziehe, wollte ich wissen und er erzählte vom Winter in Afrika. „Afrika, wo ist das denn? Davon habe ich noch nie etwas gehört!“ fragte ich ihn. „Das liegt weit weg! Wir fliegen mehrere Tage Richtung Süden, überqueren Berge, Meere und riesige Wüsten bis wir dort sind!“ erzählte er. „Und wenn es hier kalt ist und Schnee liegt, haben wir es dort herrlich warm“, schwärmte er. Mir persönlich macht Kälte ja nichts aus – ich kuschel mich im Oktober schön vollgefuttert mit meiner Frau in unser Nest und wir verschlafen die kalte Jahreszeit. „Wäre das nicht auch was für euch?“ fragte ich die Dorngrasmücke. „Bleibt doch einfach hier!“ Schließlich hatte mein Nachbar mit seiner Frau im Frühling auch ein Nest gebaut. „Nein, nein, das ist keine gute Idee!“ antwortete er. „Wir können uns keinen Winterspeck anfressen so wie du. Und in der kalten Jahreszeit finden wir hier einfach nicht genug Futter – vor allem Insekten sind dann leider Mangelware. Da nehmen wir lieber die lange Reise auf uns, um über die Runden zu kommen.“ Ich pflückte rasch eine besonders dicke, schwarze Brombeere vom Strauch und schenkte sie meinem Nachbarn. „Hier hast du ein bisschen Reiseproviant. Ich wünsche euch einen guten Flug, passt gut auf euch auf!“ sagte ich zum Abschied. „Danke, das ist ja nett von dir! Im April kommen wir wieder. Hoffentlich seid ihr dann wieder wach!“ zwinkerte er mir zu. „Ja klar, und dann erzählst du mir von deiner Reise und ich dir von meinen winterlichen Träumen!“

