Hütti trifft den Neuntöter

© Musa Abdulehed Er

Im Rahmen unseres KNICKWERT-Projektes erzählt die Haselmaus Hütti, unser Naturpark-Maskottchen, etwas über seine Entdeckungen im Knick. Heute berichtet er über eine Begegnung mit dem Neuntöter, der seine Beute auf Dornen aufspießt:

Vor ein paar Tagen kletterte ich kurz vorm Schlafengehen durch den Knick und suchte nach saftigen Brombeeren und roten Hagebutten. Da entdeckte ich in einem Schlehenstrauch aufgespießte Käfer, Bienen und Wespen! Ich guckte mir die Geschichte näher an. „Wer macht denn so etwas?“ fragte ich mich. Wenn ich Futter finde, fresse ich es gleich auf, anstatt es auf Dornen zu spießen. Vorsichtig knabberte ich an einem schillernden Käfer und fühlte mich plötzlich wie in einem Schlemmerparadies. „Lass das bloß nach!“ zwitscherte mich plötzlich mein Freund, die Dorngrasmücke, von oben an. „Versteck dich lieber schnell – wir haben hier einen fiesen Räuber im Knick!“ Ich kletterte sofort dichter ins Gebüsch und guckte meinen Freund erstaunt an. „Von wem redest du?“ fragte ich ihn. „Ich habe ihn gesehen“, erzählte er mir mit bebender Stimme. „Ein Vogel mit einer schwarzen Augenbinde, wie Zorro sieht er aus. Weiße Kehle, rotbrauner Rücken – wenn der dich entdeckt, hast du schlechte Karten! Neulich habe ich beobachtet, wie er eine kleine Maus aufspießte, auch kleine Vögel stehen wohl auf seinem Speisezettel. Gruselig!!!“ Er schüttelte sich voller Angst und Abscheu. „Meinst du, der frisst auch Haselmäuse?“ fragte ich meinen Freund. „Naja, du hast es ja gut und pennst am Tag. Nachts, wenn du wach bist, schläft der Kerl – ihr trefft euch also nie. Außerdem bist du vielleicht ein bisschen zu groß für ihn.“

Ich überlegte, ob ich meinen Freunden im Knick helfen könnte. „Wie heißt der Knabe denn und wo wohnt er – vielleicht kann ich mit ihm reden?“ fragte ich meinen Freund. „Neuntöter heißt er, der Name sagt schon alles“, antwortete er schaudernd. „Er hat sein Nest da hinten bei der großen Eiche im Brombeergestrüpp. Aber pass bloß auf dich auf!“ Gegen Mitternacht schlich ich mich mit klopfendem Herzen zu dem beschriebenen Gebüsch. Schnell entdeckte ich das Nest, wo es sich Familie Neuntöter gemütlich gemacht hatte. Als ich näherkam, hörte ich leises Getuschel. Herr und Frau Neuntöter unterhielten sich leise. Sie sprachen über eine lange Reise, die sie bald machen wollten. Ich hörte sie von Afrika sprechen, von Dornbüschen in einer Savanne. Sofort erinnerte ich mich an mein Gespräch mit der Dorngrasmücke, die doch auch bald nach Afrika reisen wollte. Sollte ich meinen Freund nicht doch zum Hierbleiben überreden? Afrika schien ein gefährlicher Ort zu sein! Ich musste mit ihm sprechen! Am nächsten Abend traf ich mich mit meinem Freund. „Die Neuntöter reisen bald nach Afrika – so wie du und deine Familie. Ich habe sie heute Nacht belauscht,“ erzählte ich ihm. „Wollt ihr nicht doch besser im Winter in den Hüttener Bergen bleiben?“ „Das freut mich für dich, dann ist die Gefahr hier ja bald vorbei!“ antwortete mein Freund. “Ich habe Neuntöter noch nie in Afrika gesehen, höchstens mal kurz während unserer Reise. Afrika ist groß und die Zorros überwintern südlicher als wir. Mach dir also keine unnötigen Sorgen!“ Das waren beruhigende Gedanken. In den nächsten Tagen schlich ich mich nachts noch ein paar Mal heimlich zu den aufgespießten Tieren und naschte von den leckeren Käfern. Ob mir so eine Zorro-Maske auch stehen würde? Ich könnte sie mir mit dunklem Brombeersaft ins Gesicht malen…

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